Sprachbehinderung
Sprachbehinderungen können in verschiedenen Ausprägungen auftreten und von Sprachentwicklungsverzögerungen bis hin zur Stummheit reichen. Oftmals kommt es im Rahmen einer Behinderung zusätzlich zu Schluckproblemen (Dysphagie), weswegen eine Begleitung besonders wichtig ist.
Mögliche Ursachen:
- Syndrome durch Genveränderungen (z.B. Down-Syndrom)
- Autismus-Spektrum
- Infantile Zerebralparesen und neurologische Erkrankungen
- Geistige Behinderungen & Hörstörungen
Sprachentwicklungsstörungen (SES) / (SEV)
Von einer Sprachentwicklungsverzögerung (SEV) spricht man, wenn es zu zeitlichen Abweichungen (ca. 6 Monate) in der Entwicklung kommt. Kann dieser Rückstand bis ins Kindergartenalter nicht aufgeholt werden, spricht man von einer Sprachentwicklungsstörung.
Welche Anzeichen deuten darauf hin?
- Kaum oder unangemessene Reaktion auf altersgemäße sprachliche Aufforderungen (Sprachverständnis)
- Geringer Wortschatz (weniger als 100 Wörter im Alter von 3 Jahren)
- Floskelhafte Sätze mit häufiger Wiederholung, fehlende Grammatikbausteine
Wichtig: Spracherwerbsprobleme können sowohl bei einsprachigen als auch bei mehrsprachigen Kindern auftreten und sollten frühzeitig logopädisch unterstützt werden.
Artikulationsstörungen (Dyslalie)
Bei einer Dyslalie kommt es zu Abweichungen bei der Aussprache von einzelnen Lauten. Wortschatz und Grammatik sind oft völlig in Ordnung, aber das Kind "lispelt" (phonetische Störung) oder vertauscht systematisch Laute (z.B. "Tinderdarten" statt "Kindergarten" - phonologische Störung).
Die häufigste Ursache sind funktionelle Auffälligkeiten: Dem Kind gelingt die präzise Ausführung der Bewegung noch nicht, oft gepaart mit einer zu geringen Muskelspannung im Mundbereich.
Myofunktionelle Störung (MFS)
Eine Myofunktionelle Störung beschreibt ein Muskelungleichgewicht im Gesichtsbereich, besonders der Lippen- und Zungenmuskulatur. Dies geht oft mit einem falschen (visceralen) Schluckmuster einher, bei dem die Zunge beim Schlucken gegen die Zähne presst. Das kann Kieferfehlstellungen (wie einen offenen Biss) auslösen und Zahnspangen-Behandlungen gefährden.
Warnsignale im Alltag:
- Ständige Mundatmung und offener Mund in Ruhe
- Vermehrter Speichelfluss
- Lispeln und unpräzise Artikulation
- Sog. "Habits" (ständiges Daumenlutschen oder Schnullern nach dem 3. Lebensjahr)
Redeflussstörungen: Stottern & Poltern bei Kindern
Zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit meiner kleinen Patienten findet die Therapie unter Anwendung moderner Behandlungsmethoden und spielerischer Übungen statt.
Stottern
Gekennzeichnet durch Unterbrechungen (Blockaden, Dehnungen, Wiederholungen). Im Rahmen der Sprachentwicklung (Alter 2,5 bis 4 Jahre) kommt es bei fast allen Kindern zum "frühkindlichen Stottern". Halten diese Unflüssigkeiten jedoch länger als 6 Monate an oder ist die Anstrengung sichtbar (z.B. starkes Mitbewegen des Kopfes), sollte eine logopädische Diagnostik erfolgen.
Poltern
Extrem hohe Sprechgeschwindigkeit, Verschmelzungen von Silben und oft unpräzise Artikulation. Anders als beim Stottern merken "Polterer" ihre undeutliche Sprechweise oft selbst nicht.
Lese-Rechtschreibschwäche (LRS)
Erhebliche Probleme beim Lesen und/oder Schreiben, obwohl Intelligenz und allgemeine Begabung des Kindes nicht eingeschränkt sind. Als Logopädin setze ich früh bei den sogenannten Vorläuferfähigkeiten an.
Häufige Auffälligkeiten:
- Langsame Lesegeschwindigkeit und fehlendes Leseverständnis
- Auslassen oder Hinzufügen von Wortteilen
- Verwechseln ähnlicher Buchstaben (b – d, p – q)
- Eingeschränkte "phonologische Bewusstheit" (Reime erkennen, Silben klatschen)
Auditive Verarbeitungs- & Wahrnehmungsstörung (AVWS)
Das Hörorgan (Ohr) ist völlig gesund, jedoch ist die Weiterverarbeitung des Gehörten im Gehirn gestört.
Anzeichen für AVWS:
- Schwierigkeiten beim Richtungshören (Woher kommt das Geräusch?)
- Leichte Ablenkbarkeit im Klassenzimmer durch Hintergrundgeräusche
- Verzögerte Reaktionen auf Aufforderungen
- Probleme, Einzellaute (B-L-U-S-E) als ein Wort ("Bluse") zu erkennen
Häufig gestellte Fragen (FAQ) – Kinderlogopädie
Ab wann sollte ich mit meinem Kind zur Logopädie?
Wenn Ihr Kind mit etwa 2 Jahren noch keine 50 Wörter spricht (sog. "Late Talker"), unverständlich spricht oder beim Sprechen hängen bleibt (Stottern), ist eine Abklärung sinnvoll. Meist überweist der Kinderarzt.
Wer übernimmt die Kosten für die Sprachtherapie?
Die Kosten für eine logopädische Behandlung bei Kindern (bis 18 Jahre) werden nach ärztlicher Verordnung (Rezept durch den Kinderarzt, HNO, Zahnarzt) in der Regel vollständig von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Es fällt keine Zuzahlung an.
Wie lange dauert eine Therapiestunde?
Eine Behandlungseinheit dauert bei Kindern für gewöhnlich 45 Minuten. Sie beinhaltet die direkte Therapiezeit sowie eine kurze Vor- und Nachbereitung inklusive Elterngespräch, um Übungen für den Alltag zu besprechen.