Redeflussstörungen (Stottern & Poltern bei Erwachsenen)
Redeflussstörungen im Erwachsenenalter sind oft mit großen emotionalen Belastungen, Scham und Vermeidungsverhalten verbunden. Ziel der Therapie ist nicht zwingend vollständige Symptomfreiheit, sondern ein angstfreies, flüssigeres und selbstbewusstes Sprechen.
Stottern vs. Poltern: Wo liegt der Unterschied?
Stottern: Gekennzeichnet durch Unterbrechungen im Sprechablauf, die der Betroffene selbst bemerkt und häufig zu vermeiden versucht. Typisch sind Dehnungen (Mmmmaus), Wiederholungen von Lauten/Silben (Ba-Ba-Ball) oder Blockierungen (---Tisch). Oft gehen diese mit äußerlicher Anstrengung, Mimikry oder vegetativen Reaktionen (Schwitzen, Erröten) einher.
Poltern: Äußert sich durch ein oft phasenweise sehr schnelles, überschießendes Sprechtempo, das zu einer undeutlichen Aussprache führt (Silbenverschmelzung, Auslassungen). Betroffene bemerken ihre Unverständlichkeit häufig selbst nicht sofort, sondern erst, wenn der Zuhörende nachfragt.
Häufige Begleitsymptome beim Stottern/Poltern
- Ausgeprägtes Vermeidungsverhalten (geforderte Sprechsituationen, wie Telefonieren, werden umgangen)
- Austauschen von problematischen Wörtern durch Synonyme (Wortaustausch)
- Mitbewegungen des Körpers oder Gesichts bei Stotterereignissen
- Starker innerer Druck und Sprechangst in sozialen Situationen
- Beim Poltern: Häufige Satzabbrüche und Sprünge im gedanklichen Ablauf
Unser Therapieansatz
Bei Erwachsenen erfordert die Therapie eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wir kombinieren Bewältigungsstrategien mit Sprechtechniken.
- Fluency Shaping (Sprechflüssigkeitsformung): Erlernen einer weicheren, modifizierten Sprechweise, um Stotterereignisse von vornherein zu minimieren (z.B. weicher Stimmeinsatz, verlangsamtes Sprechtempo).
- Stottermodifikation (Non-Avoidance): Statt Stottern zu unterdrücken, lernen Sie, entspannter und kontrollierter zu stottern (z.B. "Pull-out", "Bouncing"). Das nimmt den Druck aus dem Sprechen.
- Desensibilisierung: Abbau von Sprechängsten und Vermeidungsstrategien (z.B. In-Vivo-Training in realen Kommunikationssituationen).
- Beim Poltern: Fokus auf die Wahrnehmungsschulung und Rhythmisierung (Pausensetzung, Betonung), um das Sprechtempo zu regulieren.